Ein exklusives Creative World – Interview mit der Autorin Janine Höcker,
die so manche von euch vielleicht als Schöpferin der Trilogie Thargannion kennen.

Creative World: Wann und aus welchen Gründen haben Sie mit dem Schreiben angefangen?
Janine Höcker: Es ist schwierig für mich, rückblickend zu sagen, wann genau ich mit dem Schreiben begonnen habe. Schon als Kind habe ich mir liebend gern Geschichten ausgedacht, sie aufgeschrieben und bebildert. Schon früh hegte ich den Wunsch, einmal ein richtiges Buch zu schreiben, das auch veröffentlicht werden würde. Richtig mit dem Schreiben begonnen habe ich dann mit fünfzehn Jahren. In diesem Alter habe ich die erste Rohfassung meiner Thargannion-Trilogie geschrieben. Die Geschichte, die ich damals schrieb, war allerdings bedeutend kürzer als das fertige Werk und inhaltlich auch noch fern ab des Endresultates. Mit sechzehn Jahren habe ich begonnen, das Manuskript vollkommen umzuschreiben, sodass es schließlich zu dem Werk wurde, das es heute ist.

Creative World: Was fasziniert Sie am Schreiben?
Janine Höcker: Ich liebe es, tiefgründige Charaktere zu erschaffen und diese in von mir geschaffenen Welten, Schauplätzen oder Handlungssträngen agieren zu lassen. Besonders gefallen mir Emotionalität, Vielschichtigkeit und Tiefe, die man den Figuren zukommen lassen kann, sowie das Detailreichtum, mit dem man Handlungen, Orte und Geschehnisse beschreiben kann. Mit dem Schreiben kann man Bilder und Gefühle wecken, einen Schauer über den Rücken jagen oder Herzklopfen verursachen. Wenn der Leser richtig mitfiebert, sich mit einer Figur assoziieren kann und in eine neue Welt eintauchen kann, die er so tiefgründig erlebt, dass er sie sich bildlich vorstellen kann, dann hat man meiner Meinung nach eine gute Geschichte geschrieben. Und dies immer wieder zu versuchen, das ist meine größte Faszination beim Schreiben.

Creative World: Eine Frage, die Sie sicher häufiger hören: Wie wird man Schriftsteller?
Janine Höcker: Ich denke, dies ist eine Frage, die jeder, der schreibt, nur für sich allein beantworten kann. Jeder Weg und jede Herangehensweise sind individuell. Direkt nach der Schule ein Studium im sprachlich-literarischen Bereich absolvieren und dann ein Leben als Schriftsteller führen, das tun wohl nur die wenigsten Schriftsteller. Die meisten “normalen” Schriftsteller, die (noch) nicht sehr viel publiziert haben, oder (noch) kein verkaufsstarkes, mit hohen Umsatzzahlen gesegnetes Werk veröffentlichen konnten, können in den allermeisten Fällen nicht von den Einkünften der Schreiberei leben, sodass sie einem normalen Beruf nachgehen und die Schriftstellerei nebenher ausüben. Meiner Meinung nach gehören zu dem Wunsch Schriftsteller werden zu wollen vorrangig das Durchhaltevermögen, eine Idee bzw. eine Geschichte zu einem Ende zu bringen, sowie die Bereitschaft, an seinen fertigen Texten arbeiten zu wollen und für sich selbst immer Neues dazulernen zu können. Denn gerade junge Autoren neigen dazu, das erste Werk als vermeintlich perfekt und ausgereift anzusehen und sind dann enttäuscht, wenn sie von Verlagen das Gegenteil hören. Überarbeitungen und ein gewisser Abstand zum eigenen Werk, egal ob es sich um eine kurze Geschichte oder einen Romantext handelt, halte ich für sehr wichtig.

Creative World: Haben Sie Vorbilder? Welche Autoren haben Sie am meisten beeinflusst?
Janine Höcker: Vorbilder oder Autoren, die mich sehr beeinflusst haben, sind für mich schwer zu benennen. Ich versuche nicht, einem Autor nachzueifern, was Schreibstil oder Geschichten angeht. Das sollte man meiner Meinung nach auch nicht tun. Aber ich bewundere Autoren, die es geschafft haben, sich einen Namen zu machen und dies aus eigener Kraft.

Creative World: Wollten Sie schon immer Schriftstellerin werden oder war es mehr ein Glücksfall?
Janine Höcker: Bei dieser Frage würde ich gern meine Antwort auf die Frage, wie ich zum Schreiben kam, heranziehen. Schon als Kind war es mein Traum, einmal Schriftstellerin zu werden. Und je älter ich wurde, desto ernster wurde der Traum und desto mehr ich daran gearbeitet, ihn zu verwirklichen.

Creative World: Was ist Ihrer Meinung nach das Beste am Leben als Autor?
Janine Höcker: Nun ja. Die Schriftstellerei ist mein Nebenberuf. Ich habe einen Hauptberuf mit dem ich mein Geld verdiene. Von daher führe ich kein klassisches Autorenleben. Nahezu meine gesamte Freizeit verbringe ich allerdings mit dem Schreiben und mit den Arbeiten, die rundherum noch dazu gehören. Dies sind sehr schöne und abwechslungsreiche Arbeiten, die meine Freizeit sehr bunt und phantasievoll machen. Zuweilen, besonders, wenn Verträge und Fristen einzuhalten sind, ist es allerdings auch sehr anstrengend. Dann kommen schon mal zwei elf-, zwölf-Stunden-Arbeitstage am Wochenende zusammen.

Creative World: Haben Sie es beim Schreiben schon erlebt, dass Figuren eine Eigendynamik entwickeln? Lassen Sie so etwas zu?
Janine Höcker: Ja, das passiert häufiger. Ich lasse es gern zu, da ich möchte, dass meine Figuren eine eigene Persönlichkeit entwickeln und tiefgründige Charaktere sind. Wenn sich da nun etwas entwickelt, das vorher nicht so geplant war, ist es meistens eine gute Wendung, die für neue Facetten und Dreidimensionalität sorgt. Natürlich sollte man diese Eigendynamik nur so lange zulassen, wie sie die Geschichte nicht ausufern lässt und man selbst noch glücklich damit ist.

Creative World: Sie haben eine Ausbildung zur staatlich anerkannten Physiotherapeutin absolviert. Arbeiten Sie heute in diesem Beruf oder widmen Sie sich auch dienstlich nur dem Schreiben?
Janine Höcker: Ja, ich arbeite hauptberuflich als Physiotherapeutin in Vollzeit. Von daher ist die Schreiberei meine Nebentätigkeit mit der ich Freizeit, Urlaub und Wochenende fülle.

Creative World: Planen Sie ihr Leben irgendwann allein durch den Verkauf Ihrer Bücher finanzieren zu können?
Janine Höcker: Schön wäre es, aber ich denke in dieser Frage realistisch und bin der Ansicht, dass die Wahrscheinlichkeit, dass dies passiert, sehr gering ist.

Creative World: Woher nehmen Sie die Ideen zu Ihren Büchern? Brauchen Sie eine gewisse Zeit, bis Sie die Grundstruktur eines neuen Romans ausgearbeitet haben oder sind es eher spontane Einfälle, von denen Sie sich leiten lassen?
Janine Höcker: Das ist ganz unterschiedlich. Viele meiner Werke sind mir spontan eingefallen, zumindest in den Rahmenhandlungen. Nebenplots und Feinheiten habe ich dann später, manchmal auch spontan, manchmal geplant, in das Skript eingearbeitet. Aber die ein oder andere Geschichte habe ich auch geplant und ein Detail in Form eines Exposés ausgearbeitet, bevor ich begonnen habe, sie aufzuschreiben. So zum Beispiel auch meinen jüngsten Roman (ein Vampirroman).

Creative World: Wo können Sie am besten schreiben? In einer ruhigen Umgebung oder unter Menschen? Könnten Sie Ihren Arbeitsplatz beschreiben?
Janine Höcker: Mein Arbeitsplatz ist ein ganz gewöhnlicher Computertisch in einer Ecke meines Arbeitszimmers. Davor ein Fenster, daneben eine Wand, die ich mit Ornamenten, Blumen und anderen Mustern bemalt habe. Vollgestopft mit Drucker, Scanner, Duden, Synonymwörterbuch, CDs und Unterlagen steht irgendwo in dem Chaos mein Computer. Dort arbeite ich. Natürlich habe ich auch mehrere Schreibhefte und ähnliches, die ich mit auf die Arbeit nehme, um spontane Ideen aufzuschreiben. Und ich besitze ein Notebook, das ich mitnehme, wenn ich verreise. Denn mehrere Tage ohne die Schreiberei bin ich schon lange nicht mehr ausgekommen. Am besten kann ich schreiben, wenn ich allein bin, bzw. wenn die Personen, die sich mit mir im Raum befinden, anderweitig beschäftigen. Wenn mir jemand über die Schulter guckt, kann ich nicht schreiben. Ich muss in meinen Texten und Ideen versinken, um zu schreiben. Und das geht am besten mit der richtigen Musik, die die Szene, an der ich arbeite, wie ein Soundtrack untermalt.

Creative World: Nun haben Sie im Jahr 1999 die Fantasywelt Thargannion erfunden. Wie kamen Sie auf die Ideen dazu? Hatten Sie in irgendeiner Weise Vorbilder für diese Welt?
Janine Höcker: Das größte Vorbild ist vermutlich unsere eigene Welt. Menschliche Kulturen, Architekturen und Religionen sind zum Teil von realen Dingen beeinflusst oder daran angelehnt. Thargannion ist allerdings nicht an die moderne Welt angelehnt, sondern an die historische, meist mittelalterliche Erde. Wie ich auf die Ideen kam, kann ich heute nicht mehr sagen. Aber Thargannion ist eine wachsende Welt und noch heute erfinde ich immer wieder neue Details hinzu.

Creative World: Wussten Sie von Anfang an, dass Thargannion eine Trilogie werden würde?
Janine Höcker: Nein. Thargannion ist auch nicht im herkömmlichen Sinne eine Trilogie. Es sind nicht drei in sich abgeschlossene Bände, die man in unterschiedlicher Reihenfolge lesen könnte, oder von denen man jeden einzelnen auch versteht, ohne den vorhergegangenen zu kennen. Thargannion ist eine einzige Geschichte. Sie wurde nur, weil sie so lang ist, und die Druckmaschinen vermutlich sehr mit der großen Seitenzahl – wenn sie sie überhaupt bewältigen könnten, was ich bezweifele – in drei Bände aufgeteilt.

Creative World: Es gibt sicher einige Leute, die Ihre Bücher bisher noch nicht kennen. Könnten Sie den Inhalt Ihrer Trilogie kurz zusammenfassen?
Janine Höcker: Die sechzehnjährige Nienna gäbe alles, um eine Kriegern zu werden. Wenige Tage, nachdem ihr Heimatdorf von Orks überrannt wurde, bietet sich für sie und ihren jüngeren Bruder die Gelegenheit, sich den königlichen Streitern im Kampf gegen die marodierenden Eiferer der Finsternis anzuschließen.
Unterstützung auf ihrer langen, gefahrvollen Reise erhalten die beiden von Baldor, einem Elfenkrieger, dem Druiden Llowythlógwynn und Calidohr, einem Magier.
Schon bald erfährt die Gruppe, dass das Herannahen der finsteren Horden einen weitaus tieferen Hintergrund hat, als ein paar kriegslüsterne Orks den Anschein erwecken: Die Zukunft Thargannions steht auf Messers Schneide und die Welt droht in Finsternis zu versinken.
Trotz großer Gefahren und Entbehrungen entschließen sich die Freunde, den finsteren Mächten die Stirn zu bieten und Seite an Seite mit Streitern des Lichtes in einen Kampf auf Leben und Tod zu ziehen.
Der Weg, den die Gruppe nun beschreitet, ist gefahrvoll und zeigt, dass sich das Netz der Finsternis, das die dunklen Streiter über Thargannion ausbreiten, immer enger zusammenzieht.
Ein Fest soll Beschaulichkeit in das gehetzte Leben der Freunde bringen. Calidohr ist wieder zu seinen Gefährten gestoßen und auch Niennas Freund Trístan schließt sich überraschend der Gruppe an. Dem unerwarteten Angriff eines finsteren Heeres, der das Fest zu einem blutigen Ende bringt, folgt die strapaziöse und gefahrvolle Weiterreise, an deren Ziel Gayjardŷn, die Königsstadt liegt.
Während Nienna und Trístan allein in die Stadt reisen und dort alles daran setzen, Heerführer Brâlbaran von der Dringlichkeit ihrer Warnung zu überzeugen, wollen ihre Freunde die Völker des Nordens warnen.
Doch erst, als Baldor, gehetzt von einem feindlichen Heer, das bald die Stadt belagert, zurückkehrt und interveniert, macht Brâlbaran seine Truppen kampfbereit. Als der Heerführer endlich mit dem Gedanken spielt, einen Angriff zu planen, kommt Baldor ihm zuvor und befehligt einen Ausfall. In diesem Augenblick erreichen seine Gefährten in Begleitung einer zwergischen Streitmacht die Stadt – eine gigantische Schlacht entbrennt auf den Ebenen vor Gayjardŷn.

Nienna und ihre Gefährten lassen Gayjardŷn hinter sich und wenden sich den Elfenreichen zu. Spuren von Chaos und Verwüstung bringen eindeutig zutage, dass die finale Schlacht nicht mehr lange auf sich warten lässt – die Zeit drängt.
Die Reise in die Zauberwälder hält weitere Schrecken und Gefahren bereit und beinah verlieren die Gefährten in der Gefangenschaft des Feindes ihr Leben. Doch letztlich erreichen sie ihr Ziel und haben dort die Möglichkeit, Seite an Seite mit den Scharen der Elfen in die Schlacht zu ziehen.
Nach einer turbulenten Seefahrt erreicht die Gruppe die Dracheninseln und muss sich fortan ihren Weg durch einen finstermagischen Wald bahnen, in dem mächtige Feinde auf sie lauern. Doch schließlich erreichen sie das Schlachtfeld zu Füßen der Bündnishallen, auf dem der blutige Krieg bereits begonnen hat.
Auch Nienna und ihre Freunde stürzen sich in die Schlacht, in einen Kampf um die Freiheit Thargannions, aus dem es nur einen Ausweg gibt:
Sieg oder Niederlage.
Leben oder Tod.

Creative World: Gibt es in dieser Reihe Charaktere, die sie mehr, und Personen, die sie weniger mögen?
Janine Höcker: Natürlich. Am liebsten mag ich Baldor, Llowythlógwynn und Calidohr. Das liegt vermutlich daran, weil ich mit diesen drei Charakteren schon viel erlebt habe und sie auch Akteure verschiedener anderer meiner Werke sind. Aber ich kann auch sehr gut verstehen, wenn jemand die Drei nicht mag und eine andere Figur als Lieblingscharakter bevorzugt. Jede Figur hat ihren eigenen Charakter und eigene, individuelle Stärken, Schwächen und Eigenschaften. Doch ich denke, dass jeder Leser eine Figur findet, die er mag und mit der er mitfiebern möchte.

Creative World: Während des Schreibens gab es sicher auch Punkte, an denen sie am liebsten aufgegeben hätten. Was hat Sie dazu bewogen weiterzuschreiben?
Janine Höcker: Nein, die gab es nicht. Ich bin allgemein eine Kämpfernatur und gebe nicht so schnell auf. Und bei meiner größten Leidenschaft, dem Schreiben, kam mir das erst recht noch nie in den Sinn.

Creative World: Arbeiten Sie zur Zeit an einem neuen Projekt? Worum handelt es sich?
Janine Höcker: Momentan arbeite ich einerseits an der Überarbeitung des zweiten und dritten Thargannionbandes. Parallel dazu bereite ich mich auf einen neuen Roman vor. Wobei mir derzeit drei Ideen im Kopf herumgeistern. Ein weiterer Thargannionroman, ein zweiter Vampirroman und ein historisches Romanprojekt. Genau weiß ich noch nicht, welchem Projekt ich mich als nächstes widmen werde. Alle drei Ideen sind spannend.

Creative World: Haben Sie Tipps für angehende Schriftsteller?
Janine Höcker: Für unerfahrene Schriftsteller, die noch ganz am Anfang stehen und gerade erst mit dem Schreiben begonnen haben, oder beginnen möchten, bietet es sich an, Kontakte zu anderen Autoren zu suchen. Das gelingt am besten in Autorenforen. Diese gibt es allgemein oder genretypisch, groß oder klein, persönlich oder anonym. Wenn man sich ein paar davon ansieht, wird man schnell das geeignete finden. Dort kann man sich austauschen, Fragen loswerden oder Schreibübungen absolvieren und die eigenen Texte von den Anderen lesen oder auch beurteilen lassen, ganz wie man möchte. Man kann sich über Verlage, Agenturen oder Wettbewerbe und Ausschreibungen informieren und mit anderen Autoren, die vielleicht nicht mehr ganz so sehr am Anfang stehen, in Kontakt treten. Ansonsten würde ich jedem angehenden Schriftsteller raten, die eigenen Werke von einem kritischen Testleser lesen zu lassen und nicht nur von der besten Freundin oder dem Vater. Häufig stehen Freunde oder Verwandte dem Werk nicht objektiv gegenüber, finden alles gut oder trauen sich nicht, Fehler anzumerken, um den Schreibenden nicht zu verletzen. Doch gerade das Aufzeigen von Fehlern und das Korrigieren oder Besprechen derselben führt zu Verbesserungen. Das Handwerk, also Rechtschreibung, Stil und Umsetzung einer Geschichte in Roman- oder Kurzgeschichtenform, etc. sind ebenfalls ganz wichtige Punkte, in die man sich zeitnah hineinarbeiten sollte.

Creative World: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Glück in ihrer schriftstellerischen Karriere.

Ihr sucht weitere Informationen über Janine Höcker? Schaut einfach auf ihrer Homepage thargannion.de vorbei

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